Freitag, 25. April 2008

Gedichtsanalyse

Das Gedicht "Interrail Sonett für Penn und Clyde" von Anna Fram stammt aus dem Jahre 2008 (genau: 7.04.um 13:48) und gehört somit zur Abi-Epoche. Diese Zeit war geprägt von Stress, verdrängter Nervosität und Freude auf die Zeit danach, die aber auch mit Unbekanntem verbunden war.
In ihrem Gedicht wendet sich Anna Frahm- wie der Titel aufzeigt- an ihre zwei Freunde Penn und Clyde. Man kann vermuten dass es sich bei diesen Namen um Spitznamen handelt, was auf eine tiefe Freundschaft der drei rückschließen lässt. Thematisiert wird in dem Gedicht die Vorfreude auf eine baldige Reise im Sommer.

Es ist zu vermuten dass Anna Frahm große Freude bei dem Gedanken an die Reise empfindet, bedeutet diese auch gleichzeitig das Ende der Schulzeit, Freiheit und Erholung vom Lernen.
Eine genauere Analyse wird dies genauer zeigen.


Es handelt sich bei dem Gedicht um ein Sonett welches in zwei Quartette und zwei Terzette unterteilt ist. Die Quartette stehen im umarmenden Reim, während die Terzette über einen Schweifreim (a-a-b, c-c-b) verbunden sind. Sowohl das Sonett als auch der umarmende Reim weisen also auf eine feste Struktur, einen festen Halt hin, die ausgedrückt werden soll. Der Schweifreim dagegen deutet schon leicht eine Lösung dieser Struktur an. Wahrscheinlich wird hier auf den strukturierten Alltag angespielt, den die Schule 13 Jahre lang geboten hat und der sich nach dem Abi auf einmal auflöst. Vorwiegend tauchen in dem Gedicht männliche Kadenzen auf, die allgemein eher eine negative Wirkung haben. Es ist zu vermuten, dass hier noch Zweifel ausgedrückt werden, ob nicht doch noch etwas schief geht in der Reiseplanung. Dass das Lyrische Ich aber sehr aufgeregt ist, wird an den Enjambements deutlich, die an mehreren Stellen auftauchen. (V. 1, V. 3, V. 7..). Diese Enjambements können ebenso auf das Chaos hinweisen, welches oft vor und während einer Reise herrscht.
Inhaltlich ist das Sonett ganz eindeutig in zwei Teile einzuteilen. In den Quartetten stellt sich das Lyrische Ich vor, wie es am Strand liegt und alles andere vergisst. In den beiden Terzetten taucht eine direkte Ansprache (wahrscheinlich entweder an Penn oder an Clyde) auf. Das Lyrische Ich fordert auf, es ihm gleichzutun und mit in die Vorfreude einzustimmen.

Das Gedicht vermittelt eine sehr positive, fröhliche Stimmung. Dies wird unter anderem durch das Wortfeld des Reisens erreicht. Wörter wie "Meer" (V.1), "Sand" (V.2), "Strand" (V.3), "Salzluft" (V.4), "Zelt" (V.5), "Gepäck" (V.6) und "Welt" (V. 8) weisen nur zu deutlich auf dies hin. Bei der Verwendung der Wortart fällt dabei ebenso auf, dass sehr viele Nomen verwendet werden. Dies unterstreicht nochmal, dass es sich um keinen gegenwärtigen Zustand sondern eine Vorstellung handelt.
Das Gedicht weist außerdem sehr viele rhetorische Stilmittel auf. Gleich der Anfang des ersten Quartetts wird am Anfang des zweiten Quartetts wiederholt. Somit wird das "Ich stelle mir vor" hervorgehoben und daran erinnert, dass die Vorstellung des Lyrischen Ichs im Vordergrund des Gedichts steht. Dies wird durch eine sehr anschauliche Beschreibung unterstrichen die sowohl die Umgebung, als auch die Geräusche und das Gefühlte umfässt. Mit der Onomatopoesie "knirschen" kann sich der Leser noch besser in die Situation hineinversetzen. Gleich im ersten Vers wird durch das Wort "wir" aufgezeigt, dass sich das Lyrische Ich nicht in Einsamkeit, sondern in Begleitung befindet und dies auch als wichtig ansieht.

Die zweite Strophe behandelt die Situation im Zelt. Die Wörter "Schlechtwetter" und "Zeitnot" (V. 7) spielen nochmal auf die stressige Schulzeit an. Das schlechte Wetter ist hier ein Symbol für Trübsinn und schlechte Laune. Durch das Repitio "weit weit" (V.7) wird eindeutig gezeigt wie froh das Lyrische Ich sein wird, wenn die präsente Zeit des Arbeitens vorbei ist. Im letzten Vers des zweiten Quartetts wird diese Freude nochmal durch ein Ausrufezeichen ausgedrückt. Die Metapher "Mittelpunkt der Welt" lässt hier auf die Gefühlswelt des Lyrischen Ichs schließen. Die Welt symbolisiert hier die absolute Freiheit und Neugier auf neue Entdeckungen und Abendteuer. Mit Mittelpunkt wird zudem ausgedrückt, dass das Lyrische Ich nirgendwo anders sein will, dass alle ihre Gedanken sich auf diesen Ort, diese Reise konzentrieren.

In der dritten Strophe taucht eine Frage auf. "Geht es dir etwa ähnlich wie mir?" (V. 10), die sowohl hoffnungsvoll, als auch durch das "etwa" überrascht klingt. Wahrscheinlich ist es eine neue Situation in der sich das Lyrische Ich befindet. Die drei Spannungspunkte nach des Feststellung, dass nur noch einige Wochen Zeit sind, erzeugen Neugier und können sowohl Vorfreude ausdrücken, die nicht in Worte gefasst werden kann, als auch die vielen plötzlichen Gedanken, was noch alles vorbereitet werden muss.

Das letzte Terzett beinhaltet zwei weitere Fragen, die abermals die Unsicherheit und die noch unbeantworteten Fragen verdeutlichen. Das Adjektiv "ungeheuer" ist hier ein umgangssprachlicher Ausdruck, der auf unkontrollierte Sprache und somit unkontrollierte, starke Gefühle hinweist. Im letzten Vers dann kommt noch einmal die Hauptaussage zum Vorschein: Die Reise mit den zwei Freunden Penn und Clyde. Das Lyrische Ich heißt also folglich Bonnie.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass sich die Hypothese, dass Anna Frahm in der Abizeit starke Freude bei dem Gedanken an den Urlaub empfindet, nur bestätigen lassen kann. Hinzufügen muss man, dass ein Teil dieser Freude vor allem an ihrer Begleitung liegt, und dass nur noch kleine Unsicherheiten die Freude trüben.

Im Großen und Ganzen ist das Gedicht jedoch sehr hoffnungsvoll und geprägt von der Freude der Freundschaft.

Eva Stoelzel, 2008

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